Ein Garten voller Vielfalt: „Natur im Garten“-Auszeichnung in Steingraben
Aktualisiert: vor 3 Tagen
Im Rahmen der neuen KLAR!-Maßnahme „Gärten als Trittsteinbiotope“ konnte ein besonders vielfältiger Naturgarten in Steingraben ausgezeichnet werden: Martin Cschötz, Experte von „Natur im Garten Burgenland“, überreichte Bernadette Posch die „Natur im Garten“-Plakette. Es handelt sich um die erste Plakettenvergabe, die auf Initiative der KLAR! ökoEnergieland im Rahmen der neuen Maßnahme angestoßen wurde.
Bernadette Posch pflegt ihren Garten mit viel Liebe, Begeisterung und Fachwissen. Die Kernkriterien eines „Natur im Garten“-Gartens – der Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide und Dünger sowie auf Torf – sind für sie selbstverständlich. Darüber hinaus findet sich in ihrem Garten eine außergewöhnliche Vielfalt an Naturgartenelementen.
Wildgehölze und Wildstrauchhecken, Wildblumenwiese, Kräuterrasen und mehrere „wilde Ecken“ schaffen unterschiedliche Lebensräume. Obstbäume und Beerensträucher liefern nicht nur für die Menschen Früchte: Bewusst bleibt ein Teil der Ernte für die tierischen Gartenbewohner hängen. Eine interessante Beobachtung der Naturgartenliebhaberin ist beispielsweise, dass Pirole besonders gerne Feigen fressen. Bei der Pflanzenauswahl wird zudem darauf geachtet, unterschiedliche Blühzeiten miteinander zu kombinieren. So finden Insekten möglichst vom Frühjahr bis in den Herbst ein kontinuierliches Nahrungsangebot.
Auch zahlreiche Nützlingsunterkünfte und naturnahe Strukturen gehören zum Garten. Nistkästen und Vogelfutterstellen ergänzen mit Grasschnitt und Laub bedeckte Asthaufen, die als geschützte Rückzugsorte etwa für Igel dienen. Eine Benjeshecke aus aufgeschichtetem Totholz und Schnittgut schafft weitere Versteck-, Nist- und Überwinterungsmöglichkeiten. Auch Steinhaufen bieten wertvolle Lebensräume und Rückzugsorte für zahlreiche Kleintiere und Insekten. Mehrere Komposthaufen sorgen dafür, dass organisches Material im natürlichen Kreislauf des Gartens bleibt. Auch Holzasche wird in geeigneter Weise wieder im Garten eingesetzt.
Eine besondere Rolle spielt Wasser. Gesammeltes Regenwasser versorgt unter anderem eine Wasserstelle bzw. ein kleines Biotop. In einer Wasserstelle kommen auf einer selbst angefertigten schwimmenden Pflanzinsel Buchweizen-Stecklinge zum Einsatz, deren Wurzeln zur natürlichen Reinigung des Wassers beitragen. Auch im Biotop werden natürliche Zusammenhänge gezielt genutzt: Gelsenlarven dienen den dort lebenden Moderlieschen als Nahrung. Im Gegensatz zu Goldfischen fressen Moderlieschen keine Libellenlarven, sodass sich auch Libellen im Biotop gut entwickeln können.
Der Boden wird ebenfalls möglichst geschützt und natürlich bewirtschaftet. Grasschnitt dient als Mulch, der Kräuterrasen wird selten und nicht zu kurz gemäht und versiegelte Flächen beschränken sich nur auf die Gebäude. Gerade im extrem trockenen Sommer 2026 zeigte sich die Wirkung dieser Maßnahmen besonders deutlich: Der Garten überstand die Trockenperiode sehr gut und blieb erstaunlich grün. Dazu tragen die zahlreichen Maßnahmen bei, die Verdunstung reduzieren und Feuchtigkeit länger im Boden halten.
Spannend ist auch das Prinzip des sogenannten „Blackbox Gardening“, das Bernadette in ihrem Garten anwendet. Dabei wird nicht jede Pflanze an einem fix vorgegebenen Platz geplant. Selbstaussäende Pflanzen dürfen sich weiterverbreiten und jene Standorte besiedeln, an denen die Bedingungen für sie besonders gut passen. Die Natur erhält dadurch bewusst mehr Raum zur eigenen Entwicklung und das Erscheinungsbild des Gartens verändert sich von Jahr zu Jahr.
Der Garten zeigt eindrucksvoll, welche Bedeutung Privatgärten als Trittsteinbiotope haben können. Sie bieten Nahrung, Rückzugsräume und Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und tragen gleichzeitig dazu bei, Grünräume im Siedlungsbereich ökologisch miteinander zu vernetzen. Maßnahmen wie eine vielfältige Bepflanzung, Beschattung, Bodenbedeckung, geringe Versiegelung und Regenwassernutzung leisten darüber hinaus einen wichtigen Beitrag zur Anpassung an Hitze und Trockenheit.
Mit der neuen Maßnahme „Gärten als Trittsteinbiotope“ möchte die KLAR! ökoEnergieland gemeinsam mit „Natur im Garten Burgenland“ noch mehr Gartenbesitzer für eine naturnahe und klimafitte Gartengestaltung begeistern und bei der Umsetzung unterstützen. Ausgezeichnete Naturgärten wie jener von Bernadette Posch sollen dabei als sichtbare Best-Practice-Beispiele dienen und zeigen, wie Biodiversität und Klimawandelanpassung direkt vor der eigenen Haustür gelebt werden können.

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