Das ökoEnergieland ist ein vereinsmäßig organisierter Zusammenschluss von Gemeinden im Südburgenland, die gemeinsam die selbe Ziele verfolgen:Kapitalabwanderung entgegen zu wirken, die regionale Wirtschaft der Grenzregion zu stärken, Arbeitsplätze zu schaffen und die Lebensqualität in der Region  durch eine nachhaltige Entwicklung zu erhalten und zu erhöhen. 

Gemeinden im ökoEnergieland

Das ökoEnergieland ist Klima- und Energiemodellregion seit dem Jahr 2010 und umfasst aktuell 19 Gemeinden die gemeinsam versuchen die strukturschwache Region durch dieses Projekt zu stärken.

 

Zu den beteiligten Gemeinden gehören:

 

  1. Badersdorf

  2. Bildein

  3. Deutsch-Schützen -Eisenberg

  4. Eberau

  5. Gerersdorf-Sulz

  6. Großmürbisch

  7. Güssing

  8. Güttenbach

  9. Heiligenbrunn

  10. Heiligenkreuz im Lafnitztal

  11. Inzenhof

  12. Kleinmürbisch

  13. Kohfidisch

  14. Moschendorf

  15. Neuberg im Bgld.

  16. Neustift bei Güssing

  17. St. Michael im Burgenland

  18. Strem

  19. Tobaj

 

Das ökoEnergieland liegt mit ca. 18.100 Einwohnern im südlichen Burgenland, in den Bezirken Güssing, Jennersdorf und Oberwart, ca. 160 km von Wien entfernt, mitten in der sanft-hügeligen Landschaft des Naturparks Weinidylle. Basis für die Initiativen in der Region waren sämtliche Aktivitäten und daraus generierte Erfahrungen aus dem „Modell Güssing“, welche durch die Unterstützung des Modellregionsmanagers schrittweise auf die gesamte Region übertragen werden sollen. Die Umsetzung nachhaltiger Projekte soll der Region helfen ihr Energiesystem langfristig auf lokal vorhandene, erneuerbare Energieträger umzustellen und dadurch die regionale Wirtschaft der Grenzregion zu stärken, Arbeitsplätze zu schaffen und die Lebensqualität in der Region zu erhalten.

 

Die Gesamtfläche der Region beträgt 395 km², wovon fast die Hälfte auf Wald entfällt, der somit die wichtigste Ressource in dieser Region, gefolgt von landwirtschaftlichen Flächen (Mais, Getreide, Raps, Sonnenblumen), darstellt. Die Region weist mit ca. 2.000 Stunden eine hohe Anzahl an Sonnenstunden auf und zählt somit zu densonnigsten Regionen inÖsterreich. In denVordergrund der regionalen Aktivitäten werden die Biomasse, die Roh- u. Reststoffe und die Sonnenenergie, vor allem Photovoltaik, gerückt. Gerade im Bereich Photovoltaik gibt es neben der Möglichkeit von Einzelprojekten verstärkt Initiativen zur Umsetzung über Bürgerbeteiligungsmodelle. Beteiligungsmodelle sind eine Möglichkeit, Kapital für Investitionen in erneuerbarer Energien bereit zu stellen, außerdem kann durch eine finanzielle Beteiligung der Bürger an Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energie deren Akzeptanz vergrößert werden. Auch können durch innovative organisatorische Finanzierungslösungen wesentliche Beiträge zur Wirtschaftlichkeit von Anlagen geleistet werden, welche gerade vor dem Hintergrund unsicherer Förderungen sowie strengerer Kriterien bei der Vergabe von Krediten zur Finanzierung von Projekten im Bereich erneuerbarer Energiewesentlich sind.

 

Als Leitbilder zum Umsetzungskonzept dienten die vorherigen Studienarbeiten des EEE sowie die Aktionsfelder des Vereins zur Förderung der Lebensqualität in der Region „südburgenland plus“ (Leader LAG Südburgenland) auf den Gebieten Ökoenergie und Ökomobilität. Nach der Energiebedarfsanalyse und der Ressourcenpotenzialanalyse der Region konnte man erkennen, dass unter Berücksichtigung der Sparmaßnahmen und nach Umsetzung der notwendigen strom-, wärme- und treibstoffproduzierenden Anlagen eine 100%ige Energieversorgung aus erneuerbaren Energieträgern im ökoEnergieland möglich ist. Zusammenfassend wurde auch hochgerechnet, welche Anlagenleistungen für die Abdeckung der übrigen Energiebedarfsmengen notwendig wären, wenn zuvor Energiespar- und Effizienzmaßnahmen umgesetzt werden.  

 

geplante Maßnahmen in der Region

Übergeordnetes Ziel der KEM ökoEnergieland ist es, neue Anlagen und Projekte umzusetzen, innovative Pilotvorhaben zu initiieren sowie den Grundgedanken der dezentralen Energieversorgung weiter auszubauen. Die Nutzung lokal und regional verfügbarer erneuerbarer Ressourcen zur Versorgung der Region und die Steigerung der Wertschöpfung stehen dabei im Vordergrund. Der Fokus der KEM ökoEnergieland liegt in einem breiten Mix von Maßnahmen, die in unterschiedlichen Bereichen, angefangen von Energieeffizienzsteigerung, Energieeinsparmaßnahmen, über regionale Rohstoffbeschaffung, bis hin zum Ausbau erneuerbarer Energieproduktionsanlagen, welche die Region auf dem Weg zur Zielerreichung unterstützen sollen.

 

Geplante Maßnahmen und generelles Ziel ist es, auf den bereits vorhandenen Strukturen aufzubauen und Projekte die in den letzten Jahren entwickelt worden sind nun weiter in die Tat umzusetzen. Es sollen entsprechende logistische Strukturen etabliert werden, um die Rohstoffgenerierung zu verbessern sowie die Bevölkerung noch mehr in die Konzepte einzubinden, zum einen in Sachen bewusstseinsbildende Maßnahmen, zum anderen in Umsetzungsmaßnahmen.

 

Konkret geht es um Maßnahmen wie der Effizienzsteigerung von kommunalen Anlagen und Betrieben mit Fokus auf Kläranlagen und Wasserwerken, der stärkeren Nutzung diverser kommunaler Reststoffen bzw. dem Aufbau von Sammelstellen und -strukturen, der Initiierung von unterschiedlichen öffentlichkeitswirksamen Offensiven, dem Ausbau der ökoMobilität, aber auch um weitere Maßnahmen zum erfolgreichen Ausbau der Photovoltaik sowie zugehöriger Vernetzungsaktivitäten. Natürlich gilt es auch den ökoEnergietourismus mit weiteren Adaptierungen zu attraktiveren und so die Verbreitung von Ergebnissen zu ermöglichen, was auch durch den verstärkten Einsatz von neuen Medien u. Services  (Facebook, Themen- u. Beratungstage) unterstützt werden soll.

Die Energieanlagen der Modellregion

Die wichtigsten und nachhaltig zur Verfügung stehenden erneuerbaren Energiequellen sind in der Region die Biomasse und die Sonne. Aufgrund der chemischen Verwandtschaft von Biomasse zu den heute etablierten Energieträgern (Erdöl, Erdgas und Kohle) können aus Biomasse grundsätzlich die gleichen Produkte hergestellt werden, wie es bei den fossilen Energieträgern der Fall ist. Anstelle der heutigen Erdöl-, Erdgas- und Kohlechemie wird künftig eine Biomassechemie treten.

 

Im ökoEnergieland wird aus diesem Grund Wert darauf gelegt, an den Grundlagen einer derartigen „sanften“ Umstellung unseres Energiesystems zu forschen und die Ergebnisse umzusetzen. In vielen Regionen fallen eine Fülle von biogenen Roh- und Reststoffen in unterschiedlicher Menge und Qualität an. Diese zumeist energiereichen Stoffe könnten zur Energiebereitstellung genutzt werden, wenn geeignete Technologien entwickelt und angewendet werden.

 

In Summe werden aus den installierten Energieerzeugungsanlagen auf Basis erneuerbarer regionaler Energieträger im ökoEnergieland aktuell rund 102.000 MWh/Jahr Strom und rund 136.000 MWh/Jahr Wärme erzeugt, die durch die Haushalte sowie die lokale Industrie verbraucht werden. Darunter fallen:

 

  • 12 Biomasseheizwerke thermische Leistung 21,1 Megawatt

  • 4 Biogasanlagen 2,8 Megawatt thermische Leistung– 2,5 Megawatt elektrische Leistung  

  • 2 Biomasse KWK Anlagen 9 Megawatt thermische Leistung– 11,2 Megawatt elektrische Leistung

  • Photovoltaikanlagen 4,6 Megawatt

  • Kleinwasserkraftwerke 240 kW

 

 

Biogasanlage Strem

Die „Biogas Strem Errichtungs- und Betriebs GmbH & Co KG“ betreibt seit November 2004 angrenzend zur Biomasseanlage der bäuerlichen Genossenschaft „Öko Energie Strem“ eine Biogasanlage mit einer Leistung von 500 kWel und 600 kWth. Der jährliche Rohstoffeinsatz beträgt ca. 11.000 t Silage (Gras, Klee, Mais und Sonnenblumen). Die Anlage produziert elektrische und thermische Energie aus nachwachsenden Rohstoffen wie z. B. Gras, Klee, Mais, Sonnenblumen. Die anfallende thermische Energie wird in das örtliche Fernwärmenetz, die elektrische Energie in das örtliche Stromversorgungsnetz eingespeist. Die Biogasanlage Strem ist für die Entwicklung der Biogastechnologie von besonderer Bedeutung und ist eine Forschungs- und Demonstrationsanlage.

 

Biogasanlage Wolfnudeln

Mit einer eigenen im Jahr 2010 fertiggestellten Biogasanlage mit einer Leistung von 2x 360 kWel und 2x 400 kWth, in welcher elektrische Energie und Abwärme produziert werden, kann die Fa. Wolfnudeln einen vollständigen Produktionskreislauf bis hin zur Düngung der Äcker schließen. Die Fa. Wolfnudeln produziert alle ihre Teigwaren mit frischen Eiern aus den eigenen Hühnerstallungen. Die angeschlossene Landwirtschaft liefert das Futter für die Hühner, die Hühner legen die Eier für die Nudelproduktion, Hühnermist und Grünsilage vergären in einer Biogasanlage.

 

Biostrom Güssing KWK Anlage mit Kondensations-Dampfturbine

Bei dieser Technologie wird Biomasse mittels Verbrennung und Dampferzeugung über eine Kondensations-Dampfturbine mit direkt gekuppeltem Generator zu elektrischer Energie umgewandelt und Wärme durch Zwischenentnahme von entspanntem Heißdampf ausgekoppelt. Die 2005 errichtete Anlage hat eine Kapazität von 1,7 MWel und max. 7 MWth bei einem Brennstoffeinsatz von 1,8 t Spänen / Stunde.

 

Fernwärme GüssingHeizwerk I  - Rostfeuerung (Verbrennung)

In der Klimabündnis Gemeinde Güssing wurde 1996 das Biomasse Fernheizwerk eröffnet. Durch die kontrollierte Biomasseverbrennung mit Abgasreinigung weist es gegenüber einer Vielzahl von bestehenden Einzelheizanlagen nur einen Bruchteil an Emissionen auf. Biomasse für das Fernheizwerk Güssing kommt in Form von Spreißel von der Güssinger Parkettindustrie oder als Hackgut aus den regionalen Wäldern. Durch das Verbrennen von Biomasse wird Wasser im Heizkessel der Zentrale erwärmt, das danach durch gut isolierte Leitungen zum Abnehmer gelangt.

 

Durchgeführte Maßnahmen im ökoEnergieland

DDie Modellregion zielt auf eine nachhaltige Energieversorgung basierend auf der Nutzung von regionalen Rohstoffen ab. Dabei stellen die Hauptressourcen der Region Biomasse und Sonne dar. Die KEM war zuerst auf die Umsetzung von Großprojekten im Bereich Biomasse fokussiert und daraus entstanden Biomasse Heizwerke, Biomasse KWK-Anlagen, sowie Biogasanlagen, die zur Strom- und Wärmeversorgung großer Teile der Region dienen. Zusätzlich gab es zahlreiche Projekte und Pilotversuche, um nicht nur Wärme und Strom in den Anlagen zu erzeugen, sondern auch das erzeugte Biogas zu einem vielseitigen Energieträger der Zukunft zu machen (Biogasnetze zur Energieversorgung, Biogastankstellen zur Treibstoffversorgung). Nachdem sich die Rahmenbedingungen im Biomassebereich geändert hatten und jene für die Sonnenenergienutzung vorteilhafter wurden, hat man Projekte für die Nutzung dieser zweiten Hauptressource in der KEM gestartet. So entstanden Photovoltaik-Bürgerbeteiligungsanlagen auf öffentlichen Dachflächen (die Größte davon mi 170 kW), PV-Anlagen auf allen Kläranlagen und auch auf jenen Fernwärmeanlagen, die freie Dachflächen zur Verfügung hatten.  Zusätzlich entstand aus einer privaten Initiative eine Freiflächen-Photovoltaikanlage im Megawattbereich. Neben den Umsetzungen im Energieerzeugungsbereich, gab es in der Region auch zahlreiche Aktivitäten im Energieeffizienzbereich (beispielsweise großflächige Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technologie). Ein großer Schwerpunkt der Region ist auch der so genannte „ökoEnergietourismus“, der sich aus den Energieinitiativen entwickelt hat und in dessen Rahmen Präsentationen und Anlagenführungen durchgeführt werden. In der Klima- und Energiemodellregion ist die begleitende Öffentlichkeitsarbeit auch ein wichtiger Schwerpunkt und daraus konnten schon zahlreiche Informationsveranstaltungen, Energiestammtische, Biogas-Autoschau und E-Mobilitätstage abgehalten werden.

Der ökoEnergieland Tropfen

Literatur

http://www.oekoenergieland.at/

 

http://www.eee-info.net/index.php/de/dasoekoenergieland

Zeichnung sowie Textpassagen gestaltet durch  3. und 4. Klasse VS Eberau, 2019